Familie und Freunde sind für arme Kinder der wertvollste Besitz. Das ergab die Befragung von 300 sozial benachteiligten Kindern in Hamburg und Berlin. Wichtig sind ihnen aber auch bestimmte materielle Dinge, z. B. elektronische Geräte.

Arme Kinder in Deutschland sehnen sich vor allem nach verlässlichen Bezugspersonen und weniger nach materiellem Wohlstand. Das geht aus der „Bepanthen Kinderarmutsstudie“ des Pharmakonzerns Bayer hervor. Befragt wurden 300 sozial benachteiligte Kinder aus Hamburg und Berlin zwischen sechs und 13 Jahren, die von dem Jugendprojekt „Die Arche“ betreut werden.
Als wertvollsten Besitz bezeichneten die Kinder in Interviews ihre Familie und Freunde, direkt danach kamen elektronische Geräte. Nahezu 100 Prozent der Befragten wünschten sich Liebe von Eltern und gute Freunde.
„Sozial benachteiligte Kinder suchen Beziehung“, sagte Studienleiterin Sabine Andresen von der Universität Bielefeld. Pädagogische Einrichtungen müsse man danach bemessen, welche Gelegenheiten sie Kindern böten, Freundschaften zu pflegen. Entscheidend für die Entwicklung der Kinder seien die außerschulischen Erlebnisse.
Die Befragung fand in Zusammenarbeit mit der „Arche“ statt. Die Einrichtung bietet Kindern Freizeitangebote, warme Mahlzeiten und betreut sie. Der Gründer der Arche, Bernd Siggelkow, sagte: „Kinder, die keinerlei Liebe bekommen, die sterben.“ Wichtig sei, dass die Kinder jemanden hätten, der für sie Zeit habe. Sie bräuchten vor allem verlässliche Ansprechpartner.
Rund 90 Prozent der sozial benachteiligten Kinder blicken der Studie zufolge aber optimistisch in ihre Zukunft. Sie zeigten sich bei der Befragung überzeugt, ihr Leben werde „richtig schön“.

JRK-Kampagne „Armut: Schau nicht weg!“
Armut wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und besonders Kinder leiden darunter. Deshalb hat das Jugendrotkreuz von 2004 bis 2007 Kinderarmut in Deutschland mit einer breit angelegten Kampagne zum Thema gemacht. Arme Kinder sind nicht nur finanziell schlechter gestellt, sondern haben oft auch weniger soziale Kontakte und weniger Freunde, ihre Aussichten für die schulische und berufliche Ausbildung sind begrenzter, sie leiden stärker unter körperlichen und seelischen Belastungen und haben weniger Freizeitmöglichkeiten, um solche Belastungen auszugleichen.
Drei Jahre lang hat sich das Jugendrotkreuz deshalb mit Armut in allen Lebensbereichen auseinandergesetzt, hat seine Mitglieder mobilisiert, Aktionen und Projekte gestartet, Medien herausgegeben, das Gespräch mit politisch Verantwortlichen gesucht. Und darum gekämpft, dass Kinder- und Jugendarmut in Deutschland als Problem wahrgenommen und anerkannt wird.
Kinder- und Jugendarmut bleibt solange ein Thema für das Jugendrotkreuz, solange sie ein Problem in Deutschland darstellt. Mit seinen Gruppenstunden und vielfältigen Aktionen und Angeboten ist das Jugendrotkreuz offen für alle Kinder – egal ob arm oder reich, egal welcher Herkunft, Religion und Hautfarbe.
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