Zwischenbilanz: Vielfalt

Seit zwei Jahren möchte das JRK gezielt mehr Vielfalt im Verband aufnehmen. Was ist bisher geschehen?  

Mit einer „Rahmenstrategie zur Aktivierung von Vielfalt“- basierend auf dem Konzept von "Managing Diversity" - verpflichtet sich das JRK,  Vielfalt zu stärken und Unterschiede zwischen seinen Mitgliedern - ob z. B. in Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Tätigkeit im JRK etc. - bewusst wertzuschätzen und mit passenden Angeboten zu berücksichtigen.

Wie läuft's?
Alle JRK-Gruppen waren in den letzten zwei Jahren mit „Selbstverpflichtungen“ dazu aufgerufen, konkrete Schritte für mehr Vielfalt im JRK in die Wege zu leiten. Was ist daraus geworden? Was ist in Planung? Wie laufen die aktuellen Projekte? Wo gibt’s Probleme? Die Arbeitsgruppe „Vielfalt“ hatte dazu einen Fragebogen für die Zuständigen entwickelt.

Dargestellt anhand eingegangener O-Töne sind hier die Ergebnisse:

Wie sieht's in der Praxis aus?
Fast alle Beteiligten haben ihre Selbstverpflichtung umgesetzt oder damit begonnen.

Was hast Du umgesetzt?
• Regelmäßige Blutspendetermine in der größten Duisburger Moschee
• Gewinn eines nicht-behinderten Gruppenmitgliedes für eine Gruppe „JRKler mit Behinderung“
• Wir fragen im Vorfeld einer Veranstaltung mehr ab, z. B. Essenswünsche, Einschränkungen etc., damit alle teilnehmen können
• Online-Conferencing ist im Landesverband eingeführt , damit weit entfernt wohnende JRKler/-innen auch für die Arbeit auf LV-Ebene gewonnen werden können
• Eine Handreichung zu Vielfalt für Wettbewerbe ist erstellt
• Eine neue Kindergruppe in einem Stadtteil mit einem hohen Anteil an Migranten und Migrantinnen wurde gegründet
• bessere Kontakte des JRK mit der DRK-Sozialarbeit
• Wir haben Vielfalt in den Köpfen anderer zum Thema gemacht und immer wieder aktuell gehalten

Die meisten sind mit ihrer Umsetzung zufrieden, auch wenn über die Hälfte Schwierigkeiten bei der Realisierung erlebten.

Gab es Schwierigkeiten?
• Anfangs wurde die Notwendigkeit meines Projekts nicht von den Verantwortlichen gesehen
• Wir wollen das Thema in die Verbandsbreite tragen, aber die meisten der Kreisjugendleiter/-innen haben andere Probleme, so dass Vielfalt eine weniger wichtige Rolle für sie spielt
• Eine Gruppe für Menschen mit Behinderung in eine integrative Gruppe umzuwandeln ist schwierig, da sich Teilnehmer/-innen ohne Behinderung oft gleich als Gruppenleitung sehen und so keine wirkliche Integration zustande kommt
• Generell ist es schwierig, Vielfalt langfristig als eine selbstverständliche Querschnittskategorie zu etablieren. Oft scheitert es an Bequemlichkeit oder eingeübter Routine. Ich denke, dass man immer wieder auf Selbstverständlichkeiten hinweisen muss und einen langen Atem braucht.

Verändern die Selbstverpflichtungen etwas?
Ja, sagen die Beteiligten. Zum einen bemerken viele eine erhöhte Sensibilität für das Thema innerhalb des JRK. Zum anderen sagen 64 Prozent, dass sie durch die Selbstverpflichtungen persönlich etwas dazu gelernt haben. Es ist der Hälfte sogar gelungen, andere für Selbstverpflichtungen zu gewinnen.

Hat sich durch die Selbstverpflichtung etwas verändert?
• Man sieht die Welt mit anderen Augen.
• Der Vielfaltsgedanke wird zunehmend Standard
• Mehr Teilnehmer/-innen bei Kreisverbandsveranstaltungen durch integrierte Schulsanis
• Türkische Mitbürger/-innen wissen mehr über das Rote Kreuz
• Das Verständnis für Vielfalt ist auf Leitungsebene besser geworden
• Wir haben eine neue JRK-Gruppe

Hast du etwas gelernt oder erkannt?
• Interkulturelle Öffnung muss kontinuierlich mitgedacht und erarbeitet werden, damit sich nachhaltige Erfolge einstellen
• Mit der Beschränkung auf ein einziges Thema wird man Vielfalt nicht gerecht
• Es ist nicht einfach, sich von tradierten Denkmustern zu verabschieden
• Vielfalt zieht sich durch sehr viele Bereiche
• Steter Tropfen höhlt den Stein
• Nicht alle Vielfaltskategorien sind für uns wichtig und umsetzbar. Es ist daher sinnvoll, sich auf wenige, relevante Kategorien zu konzentrieren
• Durch die Integration von Schulsanis kamen viele neue Ideen
• Das Thema Vielalt ist auch für anderen DRK-Gemeinschaften bedeutend
• Es ist ein weiter Weg, der sich lohnt

Corinna Göbel /gd

Fazit

Ein Tipp, den fast alle geben:

Kleine überschaubare Ziele stecken! Sich nicht zu viel auf einmal vornehmen! Die kleinen Schritte sind wichtig und führen letztendlich zum Erfolg und zu mehr Vielfalt im JRK.

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